Herzwissen
Herzrasen (Tachykardie)
Herzwissen
Tachykardie (Herzrasen)
Was bedeutet ein hoher Puls und wann spricht man von einer Tachykardie?
Das Herz schlägt nicht immer gleich schnell. Die Herzfrequenz passt sich fortlaufend an die Bedürfnisse des Körpers an. Während sie im Schlaf und in Ruhe meist niedriger ist, steigt sie bei körperlicher Anstrengung, Aufregung oder Stress an.
Bei gesunden Erwachsenen liegt die Herzfrequenz in Ruhe häufig zwischen 60 und 100 Schlägen pro Minute. Von einer Tachykardie spricht man üblicherweise, wenn das Herz in Ruhe mit mehr als 100 Schlägen pro Minute schlägt. Bei körperlicher Belastung sind dagegen auch deutlich höhere Herzfrequenzen vollkommen normal.
Die Herzfrequenz lässt sich als Puls am Handgelenk oder am Hals ertasten. Auch Blutdruckmessgeräte, Smartwatches und andere tragbare Messgeräte können Hinweise auf die aktuelle Herzfrequenz geben. Allerdings entspricht nicht jeder Herzschlag zwangsläufig einer gut tastbaren Pulswelle. Bei bestimmten Herzrhythmusstörungen können Unterschiede zwischen der tatsächlichen Herzfrequenz und dem gemessenem Puls bestehen.
Eine erhöhte Herzfrequenz kann sich durch Herzrasen, Herzklopfen oder ein deutliches Pochen in der Brust bemerkbar machen. Manche Betroffene verspüren zusätzlich innere Unruhe, Schwindel oder eine verminderte Belastbarkeit. Andere Menschen nehmen selbst eine deutlich erhöhte Herzfrequenz kaum wahr.
Manche Betroffene schildern sich langsam aufbauendes und langsam abnehmendes Herzrasen, während andere eher plötzlich einsetzendes und abrupt endendes Herzrasen berichten ("warmup und cooldown" vs. "on/off-Phänomen").
Ein schneller Puls bedeutet nicht automatisch, dass eine krankhafte Herzrhythmusstörung vorliegt. Entscheidend ist vielmehr, warum das Herz schneller schlägt, welcher Herzrhythmus dabei besteht und ob die erhöhte Herzfrequenz eine angemessene Reaktion des Körpers darstellt.
Warum schlägt das Herz manchmal zu schnell?
Der normale Herzrhythmus wird durch den Sinusknoten, den natürlichen Taktgeber des Herzens, gesteuert. Wie schnell der Sinusknoten arbeitet, wird unter anderem durch das vegetative Nervensystem beeinflusst.
Dieses reguliert zahlreiche Körperfunktionen, ohne dass wir sie bewusst steuern müssen. Der Sympathikus steigert beispielsweise bei körperlicher oder emotionaler Belastung die Herzfrequenz, während der Parasympathikus vor allem in Ruhe eine bremsende Wirkung auf das Herz ausübt.
Beschleunigt der Sinusknoten seine Impulsbildung auf mehr als 100 Schläge pro Minute, spricht man von einer Sinustachykardie. Der Herzrhythmus bleibt dabei grundsätzlich geordnet.
Häufig handelt es sich um eine normale oder nachvollziehbare Reaktion des Körpers. Bei körperlicher Anstrengung, Aufregung, Angst oder Schmerzen steigt die Herzfrequenz an, um den Kreislauf an die jeweilige Situation anzupassen. Auch Fieber, Flüssigkeitsmangel oder eine Blutarmut (Anämie) können zu einem beschleunigten Herzschlag führen. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion wird die Herzfrequenz durch die gesteigerte Wirkung der Schilddrüsenhormone häufig ebenfalls erhöht.
In solchen Fällen ist die Tachykardie oftmals nicht die eigentliche Erkrankung, sondern eine Reaktion auf eine andere Ursache. Deshalb steht nicht immer die Senkung der Herzfrequenz im Vordergrund, sondern zunächst die Behandlung des zugrunde liegenden Problems.
Eine besondere Form ist die inadäquate Sinustachykardie. Dabei arbeitet der Sinusknoten in Ruhe oder bereits bei geringer körperlicher Belastung unverhältnismäßig schnell, ohne dass sich dafür eine ausreichende Erklärung wie Fieber, Blutarmut oder eine Schilddrüsenüberfunktion findet. Betroffene berichten häufig über anhaltendes Herzrasen, ausgeprägtes Herzpochen oder eine rasche Erschöpfbarkeit. Hier spielen unter anderem Besonderheiten der autonomen Herzfrequenzregulation und eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber körpereigenen Stresshormonen eine Rolle.
Auch psychische Belastungen und Angststörungen können mit einer deutlich erhöhten Herzfrequenz einhergehen. Dabei wird der Sinusknoten durch die vegetative Stressreaktion beschleunigt. Eine solche Reaktion ist jedoch nicht automatisch mit einer inadäquaten Sinustachykardie gleichzusetzen. Beide Beschwerdebilder können sich überschneiden, müssen aber sorgfältig voneinander abgegrenzt werden.
Eine weitere Störung der Kreislaufregulation ist das posturale orthostatische Tachykardiesyndrom (PoTS). Dabei steigt die Herzfrequenz insbesondere beim Aufstehen oder längeren Stehen übermäßig an. Häufig treten gleichzeitig Schwindel, Herzklopfen und andere orthostatische Beschwerden auf.
Neben diesen Formen der Sinustachykardie gibt es tachykarde Herzrhythmusstörungen, bei denen die schnellen Herzschläge durch andere elektrische Mechanismen im Herzen entstehen.
Bei supraventrikulären Tachykardien entstehen die schnellen elektrischen Erregungen oberhalb der Herzkammern. Häufig handelt es sich um kreisende Erregungen im Bereich der Vorhöfe oder des AV-Knotens, der die elektrische Verbindung zwischen Vorhöfen und Herzkammern bildet. Typisch sind teilweise plötzlich beginnende und ebenso plötzlich endende Episoden von regelmäßigem Herzrasen.
Auch Vorhofflimmern und Vorhofflattern können zu einem deutlich beschleunigten Puls führen. Beim Vorhofflimmern ist der Herzschlag zusätzlich unregelmäßig.
Ventrikuläre Tachykardien entstehen dagegen in den Herzkammern und insbesondere bei vorbestehenden Herzerkrankungen. Sie sind meist ein medizinischer Notfall.
Ein schneller Herzschlag kann somit sehr unterschiedliche Ursachen haben – von einer normalen Kreislaufanpassung über eine Störung der autonomen Regulation bis hin zu einer behandlungsbedürftigen Herzrhythmusstörung.
Wie untersucht der Kardiologe?
Besonders wichtig ist eine genaue Beschreibung der Beschwerden. Tritt der schnelle Herzschlag vor allem in Ruhe oder bei körperlicher Belastung auf? Steigt die Herzfrequenz allmählich an oder beginnt das Herzrasen ganz plötzlich? Enden die Beschwerden ebenso abrupt oder normalisiert sich der Puls langsam? Bestehen gleichzeitig Schwindel, Luftnot, Brustschmerzen oder das Gefühl einer drohenden Ohnmacht?
Ein wichtiger Bestandteil der Untersuchung ist das EKG. Es ermöglicht die Beurteilung des Herzrhythmus und kann beispielsweise zeigen, ob eine Sinustachykardie oder eine andere Rhythmusstörung vorliegt. Allerdings ist das EKG nur eine Momentaufnahme. Treten die Beschwerden ausschließlich anfallsartig auf, kann die Untersuchung zwischen den Episoden vollkommen unauffällig sein.
Eine besondere Bedeutung hat deshalb das Langzeit-EKG. Dabei wird die elektrische Aktivität des Herzens über einen längeren Zeitraum aufgezeichnet. So lassen sich vorübergehende Tachykardien erkennen und die Herzfrequenz im Tagesverlauf beurteilen.
Mit einer Echokardiographie (Herzultraschall) lassen sich die Struktur und die Pumpfunktion des Herzens beurteilen. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn der Verdacht auf eine zugrunde liegende Herzerkrankung besteht oder bestimmte Herzrhythmusstörungen nachgewiesen wurden.
Ein Belastungs-EKG kann zusätzliche Informationen liefern, wenn der hohe Puls vor allem bei körperlicher Anstrengung auftritt. Dabei lässt sich beobachten, wie sich die Herzfrequenz unter Belastung entwickelt und wie schnell sie sich anschließend wieder normalisiert.
Bei Beschwerden, die insbesondere beim Aufstehen auftreten, können außerdem Blutdruck- und Pulsmessungen im Liegen und Stehen sinnvoll sein. Dadurch lassen sich Hinweise auf orthostatische Kreislaufregulationsstörungen gewinnen. Manche Einrichtungen bieten auch Kipptischuntersuchungen an.
Ergänzend können gezielte Blutuntersuchungen erforderlich sein, beispielsweise zum Ausschluss einer Blutarmut, einer Schilddrüsenüberfunktion oder bestimmter Elektrolytstörungen.
Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache der erhöhten Herzfrequenz.
Manche Tachykardien lassen sich mit einer Elektrophysiologischen Untersuchung (EPU) und Katheterablation sicher diagnostizieren und gut behandeln. Dabei wird der elektrische Mechanismus, der die Rhythmusstörung auslöst oder aufrechterhält, gezielt verödet.
Entscheidend ist daher nicht, jede erhöhte Herzfrequenz grundsätzlich zu senken, sondern zunächst ihre Ursache zu verstehen. Erst daraus ergibt sich, ob überhaupt eine Behandlung erforderlich ist und welche Therapie am besten geeignet erscheint.
Verwandte Themen

Elektrophysiol. Untersuchung (EPU)
Analyse der elektrischen Erregungsleitung innerhalb des Herzens zur Lokalisation von Herzrhythmusstörungen.

Vorhofflimmern
Herzrhythmusstörung mit unregelmäßigem Herzschlag. Sie kann Beschwerden verursachen und das Schlaganfallrisiko erhöhen.

Ablation
Bei einer Ablation werden Herzmuskelareale, die Herzrhythmusstörungen verursachen, gezielt von innen verödet.

Betablocker
Betablocker reduzieren die Wirkung von Stresshormonen am Herzen und werden bei vielfältigen Problemen eingesetzt.