Herzwissen

langsamer Herzschlag (Bradykardie)

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Bradykardie
(langsamer Herzschlag)

Illustration von langsamem Puls mit EKG-KurveWas bedeutet ein niedriger Puls und wann spricht man von einer Bradykardie?

Die Herzfrequenz passt sich fortlaufend an die Bedürfnisse des Körpers an. Während sie bei körperlicher Anstrengung ansteigt, sinkt sie in Ruhe und insbesondere während des Schlafs normalerweise ab.

Von Bradykardie spricht man üblicherweise, wenn das Herz mit weniger als 60 Schlägen pro Minute schlägt. Diese Grenze ist zunächst nur eine medizinische Definition und bedeutet keineswegs, dass eine Erkrankung vorliegen muss.

Die Ruheherzfrequenz unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Das hängt unter anderem mit der individuellen Regulation des Herzschlags durch das vegetative Nervensystem zusammen. Besonders der Parasympathikus, dessen wichtigster Nerv der Vagusnerv ist, wirkt bremsend auf den natürlichen Taktgeber des Herzens, den Sinusknoten.

Bei Menschen mit einer ausgeprägten parasympathischen Aktivität kann der Ruhepuls deshalb deutlich niedriger liegen. Dies ist insbesondere bei gut trainierten Ausdauersportlern häufig zu beobachten, kommt aber auch bei Menschen vor, die keinen intensiven Sport betreiben. Ein Ruhepuls von beispielsweise 45 bis 50 Schlägen pro Minute kann daher vollkommen normal sein.

Entscheidend ist, ob das Herz den Körper ausreichend mit Blut versorgen kann und ob die Herzfrequenz bei körperlicher Belastung angemessen ansteigt.

Eine Bradykardie kann Beschwerden verursachen. Dazu gehören Schwindel, Benommenheit, ungewöhnliche Erschöpfbarkeit, eine verminderte körperliche Belastbarkeit oder das Gefühl einer drohenden Ohnmacht. Es kann zu einer kurzzeitigen Bewusstlosigkeit, einer sogenannten Synkope, kommen.

Ein niedriger Puls allein ist zunächst weder ein Beweis für eine Herzerkrankung noch automatisch ein Grund für eine Behandlung. Wichtig ist vielmehr, warum das Herz langsam schlägt und ob dadurch Beschwerden oder gesundheitliche Risiken entstehen.

Warum kann das Herz (zu) langsam schlagen?

Das Herz verfügt über ein eigenes elektrisches System, das den Herzschlag steuert. Der Sinusknoten im rechten Vorhof ist der natürliche Taktgeber des Herzens. Er erzeugt elektrische Impulse, die sich über das Reizleitungssystem zunächst über die Vorhöfe und anschließend über den AV-Knoten und die Herzkammern ausbreiten. Dadurch arbeiten Vorhöfe und Herzkammern in einer koordinierten Abfolge zusammen.

Eine langsame Herzfrequenz kann grundsätzlich entstehen, weil der Sinusknoten weniger Impulse erzeugt oder weil die elektrischen Impulse nicht zuverlässig an die Herzkammern weitergeleitet werden.

Bei einer physiologischen Sinusbradykardie arbeitet der Sinusknoten langsamer, ohne dass eine Erkrankung vorliegt. Dies kann beispielsweise durch eine ausgeprägte Aktivität des Parasympathikus bedingt sein. Auch während des Schlafs sinkt die Herzfrequenz häufig deutlich ab. Solange keine Beschwerden bestehen und sich der Herzschlag bei Belastung ausreichend beschleunigt, ist normalerweise keine Behandlung erforderlich.

Eine Bradykardie kann außerdem durch Medikamente verursacht oder verstärkt werden. Dazu gehören insbesondere Betablocker. Diese Wirkstoffe können die Impulsbildung im Sinusknoten oder die elektrische Überleitung im Herzen verlangsamen. Eine solche Wirkung kann therapeutisch erwünscht sein, gelegentlich aber auch zu einer zu starken Verlangsamung des Herzschlags führen.

Bei einer Sinusknotendysfunktion ist die natürliche elektrische Impulsbildung des Herzens gestört. Der Sinusknoten erzeugt dann möglicherweise zu wenige Impulse oder es entstehen längere Pausen zwischen den Herzschlägen. Manchmal steigt die Herzfrequenz bei körperlicher Belastung nicht ausreichend an. Diese Störung wird als chronotrope Inkompetenz bezeichnet und kann zu einer verminderten körperlichen Belastbarkeit führen. Auch ein Wechsel zwischen schnellen und langsamen Herzrhythmen ist möglich, das sogenannte Bradykardie-Tachykardie-Syndrom.

Eine andere Ursache sind Störungen der elektrischen Erregungsleitung, insbesondere sogenannte AV-Blockierungen. Dabei werden die elektrischen Impulse aus den Vorhöfen verzögert oder nicht mehr vollständig an die Herzkammern weitergeleitet.

Bei einem AV-Block I. Grades ist die Überleitung lediglich verzögert. Bei einem AV-Block II. Grades werden einzelne Impulse nicht mehr weitergeleitet. Je nach Art der Blockierung kann dies harmlos sein oder auf eine relevante Erkrankung des Reizleitungssystems hinweisen.

Bei einem AV-Block III. Grades ist die elektrische Verbindung zwischen Vorhöfen und Herzkammern vollständig unterbrochen. Die Herzkammern schlagen dann unabhängig von den Vorhöfen in einem meist langsameren Ersatzrhythmus. Dieser Ersatzrhythmus kann unzuverlässig sein und im ungünstigen Fall ausfallen.

Wann ist eine Bradykardie behandlungsbedürftig und wie kann der Kardiologe helfen?

Nicht jede Bradykardie muss behandelt werden. Ob eine Behandlung erforderlich ist, hängt insbesondere davon ab, welche Ursache der langsamen Herzfrequenz zugrunde liegt, ob Beschwerden bestehen und ob eine Störung des elektrischen Reizleitungssystems vorliegt.

Am Anfang der kardiologischen Untersuchung steht deshalb die Frage, ob der niedrige Puls lediglich Ausdruck einer normalen individuellen Herzfrequenzregulation ist oder ob eine Erkrankung des Herzens dahintersteckt.

Mit einem EKG lässt sich erkennen, ob das Herz zum Aufzeichnungszeitpunkt in einem langsamen, aber ansonsten normalen Sinusrhythmus schlägt oder ob eine Störung der elektrischen Erregungsleitung besteht. Insbesondere AV-Blockierungen können anhand charakteristischer Veränderungen im EKG unterschieden werden.

Da Bradykardien und Pausen im Herzschlag auch nur vorübergehend auftreten können, ist häufig ein Langzeit-EKG sinnvoll und notwendig. Damit lässt sich die Herzfrequenz über einen längeren Zeitraum beurteilen. Besonders wichtig ist es, festzustellen, ob Beschwerden wie Schwindel oder eine drohende Ohnmacht zeitlich mit einer ausgeprägten Bradykardie oder Herzpause zusammenfallen. Bei seltenen Beschwerden können längere Aufzeichnungen erforderlich sein.

Ein Belastungs-EKG kann helfen, die Anpassung der Herzfrequenz an körperliche Anstrengung zu beurteilen. Steigt der Puls trotz zunehmender Belastung nicht ausreichend an, kann eine chronotrope Inkompetenz vorliegen.

Zusätzlich werden mögliche reversible Ursachen berücksichtigt. Dazu gehören insbesondere Medikamente, die den Herzschlag verlangsamen, sowie bestimmte Stoffwechsel- oder Elektrolytstörungen. Gegebenenfalls kann bereits eine Anpassung der Medikation zu einer Normalisierung der Herzfrequenz führen.

In manchen Fällen ist auch ein Herzschrittmacher erforderlich.

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