Herzwissen
Antihypertensiva (Bluthochdruckmedikamente)
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Bluthochdruckmedikamente
Wie wirken Blutdruckmedikamente und welche Arten gibt es?
Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck belastet das Herz und die Blutgefäße. Langfristig erhöht er das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Nierenerkrankungen. Deshalb ist es wichtig, einen Bluthochdruck frühzeitig zu erkennen und konsequent zu behandeln. Neben Veränderungen des Lebensstils kommen Blutdruckmedikamente, sogenannte Antihypertensiva, zum Einsatz.
Dabei gibt es nicht das eine Blutdruckmedikament, das für jeden Patienten gleichermaßen geeignet ist. Vielmehr stehen verschiedene Wirkstoffgruppen zur Verfügung, die an unterschiedlichen Stellen in die Regulation des Blutdrucks eingreifen.
Um ihre Wirkung zu verstehen, hilft ein einfacher Vergleich: Der Blutdruck hängt unter anderem davon ab, wie eng oder weit unsere Blutgefäße sind, wie viel Flüssigkeit sich im Blutkreislauf befindet und wie stark das Herz arbeitet. Genau an diesen drei Punkten setzen die wichtigsten Blutdruckmedikamente an.
Ein besonders wichtiger Ansatz ist die Erweiterung der Blutgefäße (Vasodilatation). Wenn sich die Arterien entspannen und weiter werden, sinkt der Widerstand, gegen den das Herz das Blut durch den Körper pumpen muss. Der Blutdruck fällt dadurch ab. Zu den häufig verwendeten Medikamenten gehören die ACE-Hemmer und die Angiotensin-Rezeptorblocker, auch Sartane genannt. Beide Wirkstoffgruppen greifen in ein körpereigenes Hormonsystem ein, das unter anderem die Spannung der Blutgefäße sowie den Salz- und Wasserhaushalt reguliert. Durch die Hemmung dieses Systems entspannen sich die Blutgefäße und der Blutdruck sinkt. Die Namen dieser Medikamente lassen häufig bereits erkennen, zu welcher Wirkstoffgruppe sie gehören. ACE-Hemmer enden meist auf „-pril“, Sartane auf „-sartan“. Deshalb sprechen manche Patienten vereinfacht von ihren „Prilen“ oder „Sartanen“.
Eine weitere wichtige Gruppe sind die Kalziumkanalblocker, insbesondere die sogenannten Dihydropyridine. Sie wirken direkt auf die Muskelzellen in den Wänden der Arterien und sorgen dafür, dass sich die Gefäße entspannen. Auch dadurch sinkt der Gefäßwiderstand. Viele dieser Medikamente erkennt man an der Endung „-dipin“.
Ein zweiter Ansatz ist die Beeinflussung des Salz- und Wasserhaushalts. Hier setzen die Diuretika, umgangssprachlich häufig als Wassertabletten bezeichnet, an. Sie beeinflussen die Salz- und Wasserausscheidung über die Nieren. Dadurch wird die Blutdruckregulation günstig verändert. Bei der langfristigen Behandlung des Bluthochdrucks werden insbesondere thiazidartige und thiazidähnliche Diuretika eingesetzt.
Der dritte Ansatz besteht darin, die Arbeit des Herzens zu reduzieren. Dies geschieht primär durch Betablocker. Sie bremsen die Wirkung von Stresshormonen wie Adrenalin am Herzen. Dadurch schlägt das Herz häufig langsamer und weniger kräftig, wodurch der Blutdruck sinken kann.
Betablocker sind besonders dann sinnvoll, wenn neben dem Bluthochdruck auch Herzerkrankungen bestehen, beispielsweise bestimmte Herzrhythmusstörungen, eine koronare Herzkrankheit oder bestimmte Formen der Herzinsuffizienz. Bei Patienten mit unkompliziertem Bluthochdruck ohne entsprechende Begleiterkrankungen gehören Betablocker dagegen nicht zu den bevorzugten Medikamenten für den Behandlungsbeginn.
Warum werden häufig mehrere Blutdruckmedikamente miteinander kombiniert?
Viele Patienten fragen sich, weshalb sie bereits zu Beginn einer Behandlung zwei verschiedene Blutdruckmedikamente erhalten, obwohl ihr Bluthochdruck noch nicht besonders lange bekannt ist.
Der Grund dafür ist, dass der Blutdruck durch mehrere Regulationsmechanismen gleichzeitig beeinflusst wird. Medikamente mit unterschiedlichen Wirkmechanismen können sich deshalb in ihrer blutdrucksenkenden Wirkung ergänzen. Die aktuellen europäischen Leitlinien empfehlen deshalb für die meisten Patienten mit behandlungsbedürftigem Bluthochdruck bereits zu Beginn eine Kombination aus zwei verschiedenen Wirkstoffen.
Besonders häufig werden dabei ein ACE-Hemmer oder Sartan mit einem Kalziumkanalblocker oder einem Diuretikum kombiniert. Diese Wirkstoffgruppen ergänzen sich in ihrer Wirkung und können dadurch gemeinsam eine stärkere Blutdrucksenkung erreichen. Ein weiterer Vorteil ist, dass bei einer Kombination häufig niedrigere Dosierungen der einzelnen Wirkstoffe ausreichen. Da manche Nebenwirkungen dosisabhängig auftreten, kann dies die Verträglichkeit verbessern. Damit Patienten nicht mehrere einzelne Tabletten einnehmen müssen, stehen viele Kombinationen als Single-Pill-Kombinationen zur Verfügung. Dabei enthält eine einzige Tablette zwei oder manchmal sogar drei verschiedene blutdrucksenkende Wirkstoffe. Das hat einen wichtigen praktischen Vorteil: Je einfacher die tägliche Einnahme ist, desto zuverlässiger werden die Medikamente erfahrungsgemäß eingenommen. Gerade beim Bluthochdruck ist dies entscheidend, weil die Medikamente häufig über viele Jahre eingenommen werden müssen.
Die medikamentöse Behandlung folgt dabei einem leitlinienorientierten Stufenschema.
In der ersten Behandlungsstufe erhalten die meisten Patienten eine Zweifachkombination aus den genannten bevorzugten Wirkstoffgruppen. Bei bestimmten Patienten, beispielsweise bei sehr hohem Lebensalter, ausgeprägter Gebrechlichkeit oder nur leicht erhöhtem Blutdruck in Verbindung mit besonderen Umständen, kann auch der Beginn mit einem einzelnen Wirkstoff sinnvoll sein.
Wird der Blutdruck mit zwei Medikamenten nicht ausreichend gesenkt, folgt häufig die zweite Behandlungsstufe mit einer Dreifachkombination. Diese besteht typischerweise aus einem ACE-Hemmer oder Sartan, einem Kalziumkanalblocker und einem Diuretikum. Auch solche Kombinationen sind teilweise als einzelne Tablette erhältlich.
Bleibt der Blutdruck trotz einer geeigneten Dreifachkombination erhöht, spricht man bei bestätigter unzureichender Blutdruckkontrolle unter optimaler Behandlung von einem therapieresistenten Bluthochdruck. Dann muss zunächst überprüft werden, ob die Blutdruckwerte tatsächlich dauerhaft erhöht sind, die Medikamente regelmäßig eingenommen werden und möglicherweise eine bislang unerkannte Ursache des Bluthochdrucks besteht.
In einer weiteren Behandlungsstufe können zusätzliche Medikamente erforderlich sein. Häufig kommt dabei ein Mineralokortikoid-Rezeptorantagonist infrage, sofern Nierenfunktion und Kaliumwerte dies erlauben. Auch andere Wirkstoffgruppen können je nach individueller Situation eingesetzt werden.
ACE-Hemmer und Sartane sollten nicht miteinander kombiniert werden, da dadurch das Risiko bestimmter Nebenwirkungen steigt, ohne dass sich daraus bei der üblichen Bluthochdruckbehandlung ein entsprechender zusätzlicher Nutzen ergibt.
Welches Medikament oder welche Kombination am besten geeignet ist, hängt immer auch von Alter, Begleiterkrankungen, Nierenfunktion, möglichen Nebenwirkungen und dem individuellen Herz-Kreislauf-Risiko ab.
Welche Nebenwirkungen können Blutdruckmedikamente haben und worauf sollte ich achten?
Moderne Blutdruckmedikamente sind insgesamt gut untersucht und werden von den meisten Patienten gut vertragen. Dennoch können wie bei allen Medikamenten Nebenwirkungen auftreten. Diese unterscheiden sich teilweise deutlich zwischen den einzelnen Wirkstoffgruppen.
Bei ACE-Hemmern ist eine typische Nebenwirkung ein trockener Reizhusten. Dieser kann auch erst nach längerer Einnahme auftreten. Ursache ist die Beeinflussung bestimmter körpereigener Botenstoffe. Wenn ein solcher Husten auftritt, kann auf ein Sartan umgestellt werden. Selten können ACE-Hemmer außerdem eine ernsthafte Schwellungsreaktion, ein sogenanntes Angioödem, verursachen. Sartane wirken auf ein ähnliches Hormonsystem, verursachen aber wesentlich seltener Reizhusten. Deshalb sind sie häufig eine gute Alternative, wenn ACE-Hemmer nicht vertragen werden. Sowohl ACE-Hemmer als auch Sartane können allerdings die Nierenfunktion und den Kaliumspiegel im Blut beeinflussen. Deshalb sind insbesondere nach dem Beginn der Behandlung oder einer Dosiserhöhung entsprechende Blutkontrollen sinnvoll.
Bei den Kalziumkanalblockern vom Dihydropyridin-Typ gehören Schwellungen an den Knöcheln und Unterschenkeln zu den bekannten Nebenwirkungen. Diese Schwellungen entstehen durch Veränderungen der Druckverhältnisse in den kleinen Blutgefäßen und sind nicht zwangsläufig Ausdruck einer allgemeinen Wassereinlagerung. Auch Kopfschmerzen, Gesichtsrötung oder ein Wärmegefühl können insbesondere zu Beginn der Behandlung auftreten.
Diuretika können die Ausscheidung von Wasser und Salzen beeinflussen. Dadurch kann es zu Veränderungen der Blutsalze, insbesondere der Natrium- und Kaliumwerte, zu Flüssigkeitsmangel oder zu einem unerwünscht starken Blutdruckabfall kommen. Je nach Wirkstoff können auch die Harnsäurewerte ansteigen. Regelmäßige Kontrollen der Nierenfunktion und der Blutsalze sind deshalb wichtig.
Bei Betablockern stehen andere Nebenwirkungen im Vordergrund. Da sie den Herzschlag verlangsamen, können sie einen zu niedrigen Puls (Bradykardie) verursachen. Manche Patienten berichten außerdem über Müdigkeit, eine verminderte körperliche Belastbarkeit oder kalte Hände und Füße. Bei bestimmten Begleiterkrankungen, insbesondere bei Asthma, muss die Auswahl des Präparats besonders sorgfältig erfolgen.
Nicht jede Beschwerde während einer Blutdruckbehandlung ist allerdings automatisch eine Medikamentennebenwirkung. Auch ein zu stark abgesenkter Blutdruck kann Beschwerden wie Schwindel, Benommenheit oder Kreislaufprobleme verursachen. In solchen Fällen sollte überprüft werden, ob die Dosierung und die Kombination der Medikamente zur individuellen Situation passen. Insbesondere bestimmte Medikamente wie Betablocker sollten nicht abrupt und nicht ohne ärztliche Rücksprache abgesetzt werden, da dies zu einer unerwünschten Gegenreaktion des Kreislaufs führen kann.
Wichtig ist außerdem zu verstehen, dass die Behandlung eines Bluthochdrucks in erster Linie der Vorbeugung langfristiger Schäden an Herz, Gehirn, Blutgefäßen und Nieren dient. Da Bluthochdruck häufig keine Beschwerden verursacht, spüren viele Patienten auch keine unmittelbare Verbesserung durch die Medikamente. Entscheidend sind die zuverlässig gemessenen Blutdruckwerte und die langfristige Verringerung des Risikos für Folgeerkrankungen. Eine gute Blutdruckbehandlung besteht deshalb nicht nur aus der Verordnung eines Medikaments, sondern auch aus regelmäßigen Blutdruckkontrollen, der Überprüfung möglicher Nebenwirkungen und einer individuellen Anpassung der Therapie. Ziel ist eine wirksame und gleichzeitig gut verträgliche Blutdrucksenkung, die sich dauerhaft in den Alltag integrieren lässt.
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